[Reaktion der Jusos auf den Artikel "JU: An Bildungspolitik vorbei", der am 07.07.2010 in der Allgemeinen Zeitung erschienen ist.]
„Natürlich brauchen wir ‚gut ausgebildete junge Menschen, die während ihrer Schullaufbahn gefördert und gefordert werden, ohne dass es zu einer Absenkung des Leistungsstandards kommt,“ stimmt Patrik Vetter, einer der beiden Vorsitzenden der Jusos im Kreis Bad Kreuznach der JU zu. „Dass so etwas in einem integrativen System möglich ist, kann jeder, der sich die Analysen des PISA-Tests anschaut, leicht erkennen.
Warum die JU dazu noch Antworten von den Jusos einfordert, verwundert uns doch sehr. Wer wie die JU argumentiert, zeigt, dass er die bildungspolitische Diskussion der letzten zwanzig Jahre komplett verschlafen und keine einzige wissenschaftliche Erkenntnis in sein Denken mit aufgenommen hat. Keine andere Studie hat so gut wie PISA gezeigt, dass integrative Systeme sowohl leistungsschwächeren als auch –stärkeren SchülerInnen helfen.“
Die Jusos halten an einer fortschrittlichen, auf die individuellen Bedürfnisse der SchülerInnen eingehenden Bildungspolitik fest. Der Ansatz, SchülerInnen nach Klasse 4 zu selektieren und nach so genannten Begabungstypen auf drei verschiedene Schulformen zu schicken, ist für die Jusos nicht mehr zeitgemäß. „Der Glaube, Lehrkräfte an den einzelnen Schulformen hätten es heute noch mit heterogenen Klassen zu tun, ist längst widerlegt worden. Daher sollten wir Heterogenität endlich akzeptieren, sie als Chance nutzen und mit Hilfe neuer, offener Unterrichtskonzepte dazu beitragen, dass sich SchülerInnen unterschiedlicher Leistungsniveaus gegenseitig helfen können. PISA hat gezeigt, dass sich ein derartiger Unterricht nicht nur positiv auf das Leistungsniveau aller SchülerInnen auswirkt, sondern gleichzeitig dazu beiträgt, soziale Kompetenzen zu schulen. Später im Berufsleben werden die ehemaligen SchülerInnen auch nicht immer auf Mitmenschen mit denselben Fähigkeiten und Kompetenzen treffen, sondern müssen mit Heterogenität umgehen können,“ erklärt Nico Bitzer, ebenfalls Vorsitzender der Jusos im Kreis Bad Kreuznach.
Die SPD-Landesregierung hat bereits Vieles konkret dazu beigetragen, die individuelle Förderung an Schulen zu optimieren: Erstens wurde die Klassenmesszahl in der Orientierungsstufe der Realschule Plus auf 25 SchülerInnen gesenkt, um die Betreuungsrelation zu verbessern. Zweitens bietet diese Reform allen SchülerInnen, die nach Klasse neun keinen Schulabschluss erlangen können, die Möglichkeit, in noch kleineren Klassen – bei maximal 20 SchülerInnen – den Schulabschluss zu erreichen. Auch hat die Landesregierung, drittens, durch die Reform der LehrerInnenausbildung dem Umstand der Heterogenität Rechnung getragen und verstärkt auf die Vermittlung neuster pädagogischer, psychologischer und soziologischer Erkenntnisse gesetzt.
„Auch war es die SPD-Regierung, die mit dem „Projekt Erweiterte Selbstständigkeit“ (PES) einen großen Beitrag geleistet hat, Unterrichtsausfall zu begegnen. PES-Kräfte können immer dann sehr erfolgreich eine reguläre Lehrkraft vertreten, wenn deren Ausfall einige Zeit vorher bekannt ist – etwa aufgrund einer Klassenfahrt oder eines längeren Krankenhausaufenthaltes. Doch PES-Kräfte sind neben ihrem Studium oder Berufstätigkeit eben nicht immer abrufbar, wenn sich eine Lehrkraft erst am Morgen krank meldet. In anderen Branchen ist eine Krankmeldung leichter zu kompensieren, weil die liegen gebliebene Arbeit nachgeholt werden kann. Natürlich ist es schlecht, wenn Unterricht ausfällt. Doch wie man dem Problem – außer durch die Einstellung von Vertretungslehrkräften - begegnen will, darauf hat die JU auch keine Lösung. Soll man etwa für jedes Unterrichtsfach jeden Morgen präventiv eine Vertretungskraft ins Lehrerzimmer setzen, die nur abwartet, ob sie eventuell irgendwo einspringen kann? Wäre das der Fall, wäre sicherlich die JU an erster Stellen, hier von rausgeworfenem Geld zu schreien,“ schließt Eva-Maria Conrad, Mitglied im geschäftsführenden Kreisvorstand der SPD.